Grüne und Alternative StudentInnen (GRAS)

Wer seid ihr und wofür steht ihr?

Wir, die GRAS, sind eine Gruppe von grünen und alternativen StudentInnen, die sich neben ihrem Studium an der Uni Salzburg engagieren. Was uns eint, ist der Wille unser universitäres und gesellschaftliches Umfeld zu verändern.

Für uns ist selbstverständlich, dass die ÖH Service-Angebote bereitstellt, wie etwa professionelle Beratung, Info-Broschüren oder Feste. Uns ist aber auch klar, dass Studierendeninteressen nicht allein mit Service durchsetzbar sind - vielmehr braucht es eine kritische und kämpferische Studierendenvertretung, die gegenüber Rektorat und Politik selbstbewusst auftritt! Missstände, wie die Unterfinanzierung der Unis, überfrachtete Studienpläne oder die mangelnde soziale Unterstützung für Studierende lassen sich nicht mit Service lösen. Aktionismus und öffentlichkeitswirksame Proteste sind notwendig, um in Verbindung mit inhaltlichen Konzepten und Programmen Veränderungen zu erreichen.

Wir orientieren uns an sieben Grundsätzen:

  • Basisdemokratisch: sachliche Diskussionen, Eigeninitiative und gemeinsame Entscheidungsfindung statt Kader-Strukturen und Postenschacher!
  • Nachhaltig: Ökologische und soziale Nachhaltigkeit geht uns alle an! Sie muss sowohl an unserer Uni als auch in der großen Politik durchgesetzt werden.
  • Pazifistisch: Konflikte sind im Großen wie im Kleinen ohne physische oder psychische Gewalt zu lösen
  • Alternativ: wir geben uns nicht mit konventionellen Antworten zufrieden, sondern wollen unser Umfeld kritisch hinterfragen und Alternativen entwerfen
  • Feministisch: Frauen werden in unserer Gesellschaft nach wie vor benachteiligt. Wir streben eine Gesellschaft ohne Diskriminierung von Personen aufgrund ihres Geschlechts an!
  • Solidarisch: unsere Gesellschaft ist geprägt von zahlreichen Ungerechtigkeiten - von einer unmenschlichen Migrationspolitik über Armut bis hin zu einem Bildungswesen, das Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien benachteiligt. Wir blicken über den Tellerrand der Uni und greifen diese Themen auf!
  • Lustvoll: unsere Arbeit ist ehrenamtlich und beruht auf dem Willen, etwas zu verändern. Umso wichtiger ist, dass Studierendenvertretung lustvoll ist und Spaß macht!

Was sind eure Anliegen für die nächste ÖH-Funktionsperiode?

Die GRAS ist seit 2009 als stärkste Gruppierung in der ÖH vertreten. Wir haben in den Bereichen Bildungspolitik, Ökologie, Service & Beratung, etc. neue Projekte initiiert, wollen diese fortsetzen und um weitere Initiativen ergänzen. Unsere Vision ist eine Uni, die allen Interessierten offen steht und ein stressfreies Studium ermöglicht - und zwar unabhängig von Einkommen, Bildungsstand der Eltern oder familiären Verpflichtungen! Daher fordern wir studierbare Studienplänen, ein Grundstipendium für alle Studierenden und offenen Zugang zu höherer Bildung. Zu gesellschaftlicher Gerechtigkeit gehört auch die Gleichberechtigung von Frauen, die in der Wissenschaft immer noch benachteiligt werden. Außerdem möchten wir unser Projekt “Uni:Nachhaltig” ausweiten auf umweltfreundliche Mobilität für Salzburgs Studierende.

Wie konkret werdet ihr diese Anliegen umsetzen?

 

Studierbare Studien - Faire ECTS Bewertung! Theoretisch sollte mit der Bologna-Reform alles transparenter werden - auch der Arbeitsaufwand von Lehrveranstaltungen: Auf dem Papier entspricht 1 ECTS Punkt 25 Arbeitsstunden. In der Realität liegt der Arbeitsaufwand vieler LVen weit über dem ECTS-Wert, Lehramtsstudierende erhalten weniger ECTS-Punkte für diesselbe Arbeit und die LV-Evaluierung ist eine Augenauswischerei. Bei der Umstellung der 4-jährigen Diplomstudien auf 3-jährige Bachelorstudien sind überfrachtete Studien entstanden, die man unmöglich in der Mindestzeit studieren kann. Wer aber länger studiert, verliert Stipendien und Beihilfen und muss immer mehr arbeiten - bis hin zum Studienabbruch. Wir wollen dieses Problem lösen: eine wirksame LV-Evaluierung soll garantieren, dass ein ECTS-Punkt das Arbeitspensum von 25 Stunden nicht übersteigt. Die Anforderungen in LVen müssen dementsprechend angepasst werden. Die aktuelle Willkür bei der Punktevergabe ist nicht tragbar! Außerdem wollen wir die gleiche Anrechnung für Lehramtsstudierende!

Freier Zugang zu höherer Bildung Der offene Hochschulzugang muss bleiben! Bildung ist wesentlich für die Beteiligung an einer modernen Gesellschaft und Demokratie. Zudem ist bekannt, dass Zugangsbeschränkungen Menschen aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien benachteiligen. Zugang zu höherer Bildung darf aber nicht nur für eine “Elite” da sein, sondern ist ein Menschenrecht! Konkret für Salzburg wollen wir uns dafür einsetzen, dass der Zugang zu Masterstudien nicht beschränkt wird. Es darf nicht sein, dass es einen billigen Massen-Master für alle und einige exklusive Masterstudien mit Aufnahmeprüfungen für einige wenige gibt! Wer einen Master absolvieren möchte, sollte auch die Gelegenheit dazu bekommen!

Umweltfreundliche Mobilität - eine Frage des politischen Willens Im letzten Jahr haben wir das Projekt “Uni:Nachhaltig” an der Uni Salzburg bereits fest verankert. Bisher lag der Fokus darauf, die Uni durch Energiesparen, Recyclingpapier, bessere Mensaangebote, Mülltrennung etc. ökologischer zu gestalten. In Zukunft möchten wir darüber hinausgehen und uns auch gegenüber der Politik für studentischen Radverkehr einsetzen. Obwohl die meisten Studierenden das Fahrrad nutzen, gibt es zu wenige Radständer, Radwege von und zur Uni und keine Service-Stellen. Wir möchten das ändern, indem wir mit Uni, Stadt und Land ein Maßnahmenkonzept verhandeln!

Gleichberechtigung von Frauen in Uni und Wissenschaft Frauen werden an der Uni und in der Wissenschaft nach wie vor benachteiligt. Oft werden Frauen bei Stellenbesetzungen trotz höherer Qualifikation übergangen, weil die Entscheidungen von Männern getroffen werden, die um ihre Freunderlwirtschaft fürchten. Hinzu kommen fehlende Angebote zur Kinderbetreuung und Karrierelaufbahnen, die mit einer Familie unvereinbar sind. Wir möchten in der ÖH eine fundierte Studie über die Situation von Frauen an der Uni Salzburg durchführen, auf deren Grundlage wir eine Kampagne zur Bewusstseinsbildung für die Benachteiligung von Frauen ins Leben rufen wollen.

Grundstipendium für Studierende Auf Bundesebene setzen wir uns für ein Grundstipendium für alle StudentInnen in der Höhe von 753 Euro ein. Die bisherigen Stipendien und Beihilfen sind nicht nur zu wenige, sondern hängen oft vom Einkommen der Eltern ab. Nicht alle wohlhabenden Eltern unterstützen ihre Kinder finanziell! Ein Grundstipendium verringert außerdem das Risiko, aus finanziellen Gründen ein Studium abbrechen zu müssen. Ein Studium muss als das anerkennt werden, was es ist: eine Vollzeitbeschäftigung, die auch entsprechend honoriert werden muss!

Was waren die Themenschwerpunkte in den letzten zwei Jahren?

In den vergangenen zwei Jahren haben wir uns als politische Gruppe, in der ÖH Salzburg und der ÖH Bundesvertretung für Studierendeninteressen eingesetzt. Unsere Schwerpunkte waren die Verbesserung der Info- & Beratungsangebote, die Schaffung studentischer Freiräume, die Projekte “Studieren Barrierefrei” und Uni:Nachhaltig, die Ausweitung von Repetitorien, eine verbesserte Kommunikation mit den StVen und Studierenden, sowie ein starkes Auftreten gegen die Kürzungen der Familienbeihilfe und Uni-Budgets u.v.m. Die Ergebnisse unserer Arbeit sind in dieser Uni:Press-Ausgabe zusammengefasst.

Wie würde eure Arbeit als Oppositionsfraktion aussehen?

Wir würden uns als gesellschaftskritische Gruppierung weiterhin politisch engagieren. An der Uni würden wir beispielsweise im Senat, den Fakultätsräten und Fakultätsvertretungen arbeiten, sowie Filmabende, Vorträge, Diskussionsrunden und kleine Feste organisieren. Wir würden unsere demokratischen Kontroll- und Mitbestimmungsrechte nutzen, um sicherzustellen, dass die ÖH auch weiterhin klare Positionen zu Themen der Bildungs- und Gesellschaftspolitik bezieht.

Was ist euer Anspruch an die Gesellschaft und welche Rolle spielt die Universität darin?

Wir wollen eine demokratische, offene und gerechte Gesellschaft, die sich an den Bedürfnissen ihrer Mitglieder orientiert. Es sollte nicht um die Profitmaximierung der Unternehmen gehen, die umso erfolgreicher sind, desto rücksichtsloser sie ihre Interessen gegen Mensch und Natur durchsetzen. Vielmehr möchten wir eine Gesellschaft in einer intakten Umwelt, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientiert - und diese nicht zu bloßen Arbeitskräften wie in einem Hamsterrad degradiert. Unser Anspruch des “Guten Lebens für alle” kann nur verwirklicht werden, wenn wir die Grundlagen unserer Gesellschaft hinterfragen und alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle umsetzen!

Die Universität in kapitalistischen Gesellschaften hat nicht den Zweck, allen Menschen möglichst viel Bildung zukommen zu lassen. Statt dessen geht es darum, eine Vorauslese an Arbeitskräften für die Hierarchie des Arbeitsmarktes zu schaffen und im kapitalistischen Sinne verwertbare Forschung zu betreiben. Dementsprechend ist der Universitätsalltag geprägt von Leistungskonkurrenz, Selektion und Stress. Wir finden hingegen, dass Bildung nicht nur Berufsvorbereitung ist, sondern auch andere Funktionen erfüllt! Die Uni soll die Fähigkeit förden, das eigene Umfeld kritisch zu hinterfragen und Alternativen zu entwickeln. Eine solche Uni darf jedoch nicht als Ausbildungsstätte aufgebaut sein, sondern muss Studierenden ausreichend Zeit und Freiheit geben, um sich eigenständig entwickeln zu können. Wir sehen es als unsere Aufgabe, an der Verwirklichung dieses Ideals von Universität und höherer Bildung beizutragen!