- „Der Spitzenkandidat des VSStÖ Salzburg Tobias Aigner beim späten Arbeiten in der ÖH. Er studiert das Doktorat der Rechtswissenschaften an der Uni Salzburg und ist auf der ÖH Salzburg und in der StV Juridicum engagiert.“
Verband sozialistischer Studentinnen und Studenten (VSStÖ)
Wer seid ihr und wofür steht ihr?
Wir, der VSStÖ (Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs), sind die älteste und eine der größten Fraktionen innerhalb der ÖH. Unsere Arbeitsschwerpunkte liegen vor allem im sozial-, bildungs- und gesellschaftspolitischen Bereich. Wir verstehen uns als eine zukunftsorientierte Gruppe, die aktiv für soziale Gerechtigkeit und bessere Studienbedingungen auftritt. Unser Ziel ist es, durch unseren Einsatz eine gemeinsame Universität zu gestalten, wobei wir auf sinnvollen Service und eine starke politische Vertretung setzen.
Wir sind bekannt für unsere Hilfsbereitschaft, unseren Einsatz in sozialen Themen und zielorientierte Arbeitsweise. Wir sind Studierende, die das Unileben aktive mitgestalten wollen und dabei gerade für jene eintreten, die meist in den alltäglichen Debatten untergehen.
Was sind eure Anliegen für die nächste ÖH-Funktionsperiode?
Nach zwei erfolgreichen Jahren in der ÖH Salzburg wissen wir, es gibt noch viel zu tun. Der Mittelpunkt unserer Arbeit sind die Sorgen und Probleme der Studierenden, welche uns tagtäglich zugetragen werden. Diese beruhen zum Großteil auf der Tatsache, dass viele Studierende unter der Armutsgrenze leben, ohne es zu wissen, weil staatliche Förderungen gestrichen wurden oder schon von Haus aus nicht ausreichen. Aus diesem Grund können sich die Studierenden nicht einfach dem Vollzeitstudium widmen, sondern müssen sich zusätzlich durch einen Nebenjob den Lebensunterhalt sichern, welcher meist in keinem Zusammenhang mit dem eigentlichen Studium steht. Andere Probleme entstehen durch die Unterfinanzierung der Universitäten oder werden durch Gestaltung einzelner Studienpläne hervorgerufen, welche nicht im vorgegebenen Zeitraum studierbar sind.
Um diese Probleme zu lösen haben wir ein klares Arbeitsprogramm für die nächsten zwei Jahre erstellt, welches du im Detail unter www.vsstoesalzburg.at nachlesen kannst, oder dich direkt darüber bei einem unserer Infotische erkundigen kannst. Die wichtigsten Eckpfeiler unseres Programms sind:
Ein faires Beihilfensystem
Eine wesentliche Forderung des VSStÖ besteht vor allem in der Direktauszahlung der Familienbeihilfe an die Studierenden. Die Familienbeihilfe inkl. aller steuerlichen Begünstigungen soll ab dem 18. Lebensjahr direkt an die Studierenden ausbezahlt werden und damit als Grundsicherung in Höhe von 250 Euro fungieren. Im Gegensatz zu den Pensionen finden bei den Beihilfen keine Inflationsanpassungen statt. Sämtliche Beihilfen müssen automatisch an die Inflation angepasst und nach den veränderten Rahmenbedingungen erhöht werden, um den realen Förderungsverlust zu stoppen.
Längerfristiges Ziel ist und bleibt allerdings ein Grundstipendium wie beispielsweise in Dänemark. Hier hat der VSStÖ schon seit Jahren ein grundsolides Konzept das sogar so gut ist, dass die grünen Studierenden unsere Forderungen kopiert, allerdings aus unerfindlichen Gründen 17 € abgezogen haben.
Nähere Infos zur Grundsicherung findest du unter www.grundstipendium.at
Durchschnittsstudiendauer als Maßstab und Abschaffung der Altersgrenzen
Die tatsächliche, durchschnittliche Studiendauer übersteigt oft die vorgesehene Mindeststudiendauer, an der sich die Toleranzzeiten richten. Dies führt zu Beihilfenverlust und Studiengebührenpflicht, was vorwiegend Studierende betrifft, die arbeiten müssen, AbsolventInnen einer BMHS (HTL,HAK,HLW,etc.) durch ein zusätzliches Schuljahr und Studierende von Studienrichtungen welchen Studienpläne vorgeben, die nicht in Mindestzeit abgeschlossen werden können.
Die Bezugsdauer aller Beihilfen soll sich an der tatsächlichen Durchschnittsstudiendauer nicht an der Mindeststudiendauer orientieren und zusätzlich auch Erwerbstätigkeit oder zusätzliche Schuljahre berücksichtigen. Denn genau so unterstützt das Beihilfesystem jene, welche wirkliche Unterstützung brauchen.
Förderung des öffentlichen Verkehrs
Bereits seit Jahren engagiert sich die ÖH für eine Vergünstigung des Semestertickets. Auch wenn sich die Verantwortlichen leider als sehr verhandlungsresistent erweisen, versuchen wir weiterhin u.a. gemeinsam mit der Stadt Salzburg neue Konzepte zu entwickeln. Um in Zeiten von Kürzungen bei der Familienbeihilfe dennoch eine finanzielle Entlastung für die Studierenden zu bieten, setzen wir uns für eine verstärkte Fahrtkostenunterstützung durch die ÖH Salzburg ein, damit sich Studierende weiterhin bis zu 25% des Semesterticketpreises zurückholen können. Der dafür zur Verfügung stehende Topf konnte durch die Spende der Aufwandsentschädigungen von allen VSStÖ-Mitgliedern, die in der ÖH tätig sind sowie dank einer Subvention durch die Stadt Salzburg, von € 2.000 auf € 5.500 erhöht werden.
Bachelorpläne auf dem Prüfstand
Wir wollen Studienbedingungen an allen Fakultäten, die ein Studium in Mindeststudienzeit auch wirklich ermöglichen. Das erfordert unter anderem eine Evaluierung der neuen Bachelor-Studienpläne hinsichtlich der Studierbarkeit. Aus den Evaluierungsergebnissen muss eine wirksame Umgestaltung erfolgen, um unnötige Hürden beseitigen zu können. Diese bestehen insbesondere in sogenannten Knock-Out – Prüfungen, bei denen die Durchfallquote über 60% liegt und gezielt eingesetzt werden, um Studierende aus zu selektieren. Zudem sollen die neuen Studienpläne auch die Möglichkeit bieten, Fremdsprachenkenntnisse zu erwerben und zu vertiefen, sowie sich Kenntnisse aus anderen Fachrichtungen anzueignen, weshalb für uns ein Wiederausbau der freien Wahlfächer notwendig ist und mit der Förderung kritischer Lehre einhergehen muss.
Trennung von Kurs und Prüfung
Wie schon bei Lehrveranstaltungsprüfungen in Vorlesungen sollen Prüfungstermine nach der Absolvierung einer Lehrveranstaltung frei gewählt werden können. Bei einem negativen Klausurantritt soll die Möglichkeit bestehen lediglich die Klausur zu wiederholen ohne die gesamte Lehrveranstaltung noch einmal besuchen zu müssen. Dies würde Wartezeiten von bis zu einem Jahr verhindern und gleichzeitig präventiv Engpässe bei überfüllten LVAs entschärfen.
Gegen Masterbeschränkungen – für den freien Hochschulzugang
Ein Masterstudium darf weder eine Frage des Geldes, noch des Notendurchschnitts sein. Gerade weil auf dem Arbeitsmarkt die Wertigkeit des Bachelorabschlusses nicht der eines Diplomabschlusses entspricht, ist es notwendig den Zugang zu Masterstudien nicht einzuschränken. Daher muss anstatt einer Beschränkung vielmehr ein Anreizsystem für Masterstudien geschaffen werden.
Um einen freien Hochschulzugang zu gewährleisten wäre es nötig die Unifinanzierung endlich auf die versprochenen 2% des Bruttoinlandproduktes (EU-Schnitt) anzuheben. Bis dato wurde noch nichts in diese Richtung unternommen. Mit einer verlässlichen Finanzierung könnten die Universitäten allerdings endlich ordentlich ausgebaut und Betreuungsverhältnisse verbessert werden.
Wenn du Informationen zu unseren anderen Programmpunkten, wie der Förderung junger WissenschafterInnen, dem Ausbau der Infrastruktur, Ausbau der Onlinenskrtipen, Studierendenheimförderungen oder der Förderung des studentischen Wohnens wissen willst kannst du dich auf unserer Website darüber informieren.
Wie konkret werdet ihr diese Anliegen umsetzen?
Unser Programm werden wir über die ÖH als klassische Interessensvertretung und Serviceeinrichtung umsetzen. Des Weiteren arbeiten wir mit vielen aktiven Gruppen (z.B. Heimvertretungen), Vereine (z.B. SATÖB) und Organisationen (z.B. Arbeiterkammer) zusammen. Mit ihnen wollen wir das Lebensumfeld und die Studienbedingungen in Salzburg wesentlich verbessern. Unser Arbeitsprogramm ist dafür sicherlich ein guter Wegweiser für die nächsten zwei Jahre und darüber hinaus.
Was waren die Themenschwerpunkte in den letzten zwei Jahren?
Die letzten beiden Jahre waren geprägt von bildungs- und sozialpolitischen Diskussionen, spätestens mit den Unibrennt- Protesten im Herbst 2009 nahm die Diskussion um die Zukunft des österreichischen Bildungssystems richtig Fahrt auf und gipfelte erneut im Herbst 2010 mit den Budgetkürzungen u.a. bei der Familienbeihilfe.
In der ÖH Salzburg standen für uns der Ausbau der sozialen Unterstützungen wie dem ÖH-Sozialstipendium oder der ÖH-Fahrtkostenunterstützung sowie der Ausbau der Beratungsleistungen wie bspw. die Mietrechtsberatung oder der ÖH – Steuerlöscher im Vordergrund, auf Bundesebene wurden Projekte wie das Gütesiegel Praktikum oder die Masterbroschüre initiiert. Im Rahmen der politischen Vertretung war es gerade der VSStÖ, der sich im Herbst gegen die Kürzung der Familienbeihilfe eingesetzt hat und über die Plattform „Zukunftsbudget“ zumindest die Abschleifungen des Kürzungspaketes erreicht hat.
Wie würde eure Arbeit als Oppositionsfraktion aussehen?
Unser Ziel ist selbstverständlich weiterhin in der Exekutive vertreten zu sein und so aktiv gestalten zu können. Sollten wir allerdings nicht die Möglichkeit dazu haben, werden wir eine wachsame Opposition sein und unsere Positionen innerhalb der ÖH stark vertreten, da ansonsten soziale Themen zwischen Ökologie- und Karrieredenken untergehen würden. Darüber hinaus werden wir auch wie bisher unsere Veranstaltungen, Exkursionen und Beratungen fortführen.
Was ist euer Anspruch an die Gesellschaft? Welche Rolle spielt die Universität darin?
Unser Verband basiert auf den vier Grundwerten der Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Nach diesen Grundwerten richten wir unsere gesamte Arbeitsweise sprechen uns daher auch gegen Sexismus, Rassismus bzw. Diskriminierungen aufgrund jeglicher sozialer oder ethnischer Merkmale einsetzen.
Die Universität sehen wir als Ort der kritischen Lehre und der freien Forschung. Jedem Menschen sollte, unabhängig von der sozialen Herkunft die Möglichkeit an der Universität zu studieren.




