Kundgebung zu Festspielbeginn

Armut nicht verstecken. Armut abschaffen!

Am 20. Juli fand zu Festspielbeginn die Kundgebung: Armut nicht verstecken. Armut abschaffen statt. 


Neben der SLP und dem KSV waren auch wir mit Plakat, Flyern und einem Redebeitrag vertreten: 

Das größte Problem in der Welt ist Armut in Verbindung mit fehlender Bildung. Wir müssen dafür sorgen, dass Bildung alle erreicht (Nelson Mandela).

Deshalb setzen wir uns, die  Österreichische HochschülerInnenschaft Salzburg, dafür ein, dass Armut bekämpft wird. Einerseits sind gerade Studierende immer wieder von Armut betroffen oder armutsgefährdet. Andererseits ist es auch Aufgabe der Universität das Thema Armut, deren Aspekte und Folgen kritisch zu reflektieren, in Lehre und Forschung zu integrieren, um in Folge Gegenstrategien und -Maßnahmen zu entwickeln. Armut muss aber auch sichtbar gemacht werden und soll nicht weiterhin tabuisiert und versteckt werden! Das ist Aufgabe jedes Einzelnen und jeder Einzelnen!

Arm sein, bedeutet ein geringes Einkommen zu besitzen. Armut geht aber auch mit schlechteren Bildungschancen, mit höherem Risiko zu erkranken und der Einschränkung von sozialen Kontakten einher. Armut führt damit zu einem Mangel an gesellschaftlichen Teilhabechancen.

Die Armutsgrenze wird dabei recht willkürlich gesetzt, je nachdem was individuell und gesellschaftlich als Zustand des Mangels gesehen wird und welche Bedürfnisse als Grundbedürfnisse in einer Gesellschaft gelten. 12% gelten in Österreich als armutsgefährdet, das sind gesamt 1.004.000 Menschen.

Arm sein, kann bedeuten die Heiz- und Stromkosten nicht fristgerecht bezahlen zu können oder aber in einer nicht beheizten Wohnung zu schlafen, um Kosten zu sparen. Arm sein, kann bedeuten die Miete für die eigene Wohnung nicht bezahlen zu können oder sich dafür Geld bei Freunden und Familie ausleihen zu müssen. Die Mieten in Salzburg steigen, auch das Wohnen in Studierendenheimen wird teurer. Kein Wunder, dass deshalb in der Stadt Salzburg laut dem Forum Wohnungslosenhilfe mehr als 730 Menschen als offiziell wohnungs- bzw. obdachlos gelten . Währenddessen besitzen in Österreich 10 Prozent der Bevölkerung 61 Prozent aller Immobilien im Land.

Wohnen wird teurer, die Lebenserhaltungskosten steigen, das Erwerbseinkommen stagniert. Gleichzeitig werden soziale Leistungen gekürzt. Besonders armutsgefährdet sind gerade jene, die befristet unter prekären Arbeitsverhältnissen wie Teilzeit oder geringfügig beschäftigt sind. Aber auch jene Personen, die alleinerziehend sind - Paare, die mehr als drei Kinder haben - Ältere Menschen, mit geringem Pensionsgeld. Ein Viertel der Armutsbetroffenen aber sind auch Kinder, Jugendliche oder unter 26-Jährige, die von den Eltern finanziell abhängig sind.

Eine schlechte Ausbildung führt zu verminderten Chancen am Arbeitsmarkt und zu einem höheren Armutsrisiko. Das Bildungsniveau ist insgesamt gestiegen, die Bildungsgerechtigkeit hat sich jedoch in den letzten Jahren nicht verändert. Der Zugang zu höherer Bildung wird durch politische Maßnahmen weiter erschwert, insbesondere leiden darunter Menschen aus sozial schlechter situierten Familien, MigrantInnen aber auch Menschen mit körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Das derzeitige Bildungssystem fördert damit soziale Ungleichheit. Dies belegen auch die Zahlen: Kinder aus Haushalten mit niedrigen Einkommen gehen nach der Volksschule mehr als doppelt so oft in die Hauptschule wie Kinder aus Familien mit hohen Einkommen. Auch die Schulabbrecherrate liegt in AkademikerInnenhaushalten bei unter vier Prozent, in Haushalten mit niedrigem Einkommen dagegen bei über 18 Prozent.

Von Armut betroffene Menschen sterben früher und sind öfter krank, weil die notwendigen Arztbesuche nicht in Anspruch genommen werden können. Zudem ernähren sich Menschen mit geringerem Einkommen seltener gesund. Die meisten chronischen Krankheiten, wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebserkrankungen, sind in unteren Einkommensschichten weitaus stärker verbreitet als in höheren.

Arm sein, kann bedeuten kein Geld für neue Kleidung oder Schuhe zu haben. Arm sein bedeutet aber auch vom kulturellen und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zu werden, sich die Tickets für öffentliche Verkehrsmittel nicht leisten oder aber Freizeitangebote nicht nützen zu können.

Armut kann jeder-mann und jede-frau treffen. Immer mehr Menschen leben in instabilen und unsicheren Verhältnissen, während dessen das soziale Netz löchriger und die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird: Jetzt schon verfügen in Österreich die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung über mehr als die Hälfte des privaten Geldvermögens. Die unteren beiden Drittel verfügen praktisch über keine oder nur sehr geringe Reserven oder haben Schulden. 2,7 Milliarden in Armut lebende Menschen müssen sich genau so viel Einkommen teilen wie die 50.000 Reichsten.

Wer arm ist, lebt häufig isoliert, fühlt sich einsam und ist dem gesellschaftlichen Umfeld durch Diskriminierung und Ausgrenzung ausgesetzt. Wer arm ist, muss sich rechtfertigen, schämt sich, weil arm sein gleichgesetzt wird mit individuellem Misserfolg, mit fehlender Motivation und Leistungsfähigkeit. Die Reaktion der sozialen Umwelt mindert den Wert Betroffener.

Die Armutsgefährdungsschwelle beträgt derzeit 1.031 Euro. Im Vergleich: Die Mindestsicherung für eine alleinstehende Person beträgt 773 Euro.

Besonders armutsgefährdet sind Frauen, MigrantInnen, alleinlebende Personen, Ein-Eltern-Haushalte, Langzeitsarbeitslose, Erwerbslose und working poor. Von Armut betroffen sind insbesondere auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der Ausbildung. Die Armutsgefährdung in Salzburg liegt bei 10,3%, das sind gesamt 52.000 Personen.

Wir müssen Verantwortung übernehmen!

Um Menschen vor Armut zu schützen und um Menschen aus der Armut zu holen, braucht es unterschiedliche Maßnahmen. Nicht nur ein Einkommen, das die tatsächlichen Lebenserhaltungskosten abdeckt, sondern auch ein starkes soziales Netzwerk und Partizipationschancen für Menschen, die in Armut leben.

Armut muss sichtbar gemacht werden, um sie gemeinsam bekämpfen zu können!

Wir fordern daher:

  • Ein existenzsicherndes Einkommen für alle Menschen ohne bürokratische Hürden.
  • Ein Bildungssystem für alle, ohne Barrieren und Zugangsbeschränkungen.
  • Den Kampf gegen prekäre Arbeitsverhältnisse und eine faire Arbeitsmarktpolitik.
  • Eine gut ausgebaute und für alle zugängliche soziale Infrastruktur.
  • Mehr Partizipationschancen und Mitbestimmungsrechte bei politischen Initiativen und Entscheidungen.

Text: Barbara Rodinger