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Reflektieren, nicht pauschalisieren oder resignieren!

Stellungnahme der FV und StV Theologie an der Universität Salzburg zum Beitrag „Die Konsequenzen ziehen: Kirchenaustritt!“ auf der Homepage der ÖH Salzburg (www.oeh-salzburg.at):

Am 25. April 2010 hat die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) in Salzburg den Beitrag „Die Konsequenzen ziehen: Kirchenaustritt!“ auf ihrer Homepage online gestellt. Die ÖH verweist darin auf ihre Sitzung am 26. März 2010, in der die ÖH-Bundesvertretung zu der aktuellen Thematik der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche mit einem Antrag Stellung bezieht. Da die ÖH Salzburg als Konsequenz dieses Antrages in ihrem Internet-Auftritt einen klaren Aufruf zum Austritt aus der Katholischen Kirche startet, fühlen wir uns als VertreterInnen der TheologiestudentInnen Salzburgs verpflichtet, zu diesem Beschluss eine klare Position zu beziehen: Dass die österreichischen Theologiestudierenden zutiefst von den aktuellen Entwicklungen im Rahmen der weltweiten Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester, Ordensleute und Laien im kirchlichen Dienst betroffen sind und sich mit diesen kritisch auseinandersetzen, hat die ÖKT (Österreichische Konferenz der Theologiestudierenden) bereits am 10.03.2010 in einer Pressemeldung klar kommuniziert. Enttäuschung, Misstrauen und auch große Solidarität mit jedem Betroffenen und Opfer übertriebener Gewalt und sexuellen Vergehens machen sich in vielen Studierenden breit. Wir wünschen eine fundierte Klärung der Vorkommnisse, vor allem aber echte und konkrete Hilfe für diejenigen, denen in kirchlichen Einrichtungen in ihrer Kinder- und/oder Jugendzeit an Geist und Körper Schaden zugefügt wurde, die psychischem und physischem Missbrauch ausgesetzt waren. In dieser Sorge, nämlich um eine gute Zukunft und neue Lebensperspektive der Opfer, sehen wir uns als Theologiestudierende mit allen verbunden, die in den letzten Tagen, Wochen und Monaten klare Stellung in dieser Thematik bezogen haben. Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Bemühungen von ÖH-Salzburg und StV/FV-Theologie in der Beratung und Vertretung der Salzburger Studierenden ist es uns ein großes Anliegen, wie bisher auch in Zukunft gut zusammenzuarbeiten und somit zum Wohl der Studierenden zu agieren. Es ist uns aber als TheologInnen auch ein dringendes Anliegen und Bedürfnis uns zum genannten Beitrag auf der Homepage der ÖH Salzburg klar zu positionieren: Da die Studienvertretungen an den unterschiedlichen Fakultäten die „ÖH vor Ort“ darstellen, muss sich die FV und StV Theologie klar und entschieden vom Beschluss der Bundes-ÖH, welcher auf der Homepage der ÖH-Salzburg am 25.04.2010 online gestellt wurde, und der in ihm enthaltenen Aufforderung zum Kirchenaustritt, distanzieren! Wir befürworten zwar die darin geforderte Reflexion über die Zugehörigkeit zur Kirche, denn diese ist notwendig um dem eigenen Glauben und der persönlichen Beziehung zur Kirche immer wieder neuen und aktuellen Sitz im Leben zu geben, können aber einen Aufruf zum Austritt aus der Kirche als alleinmögliche Konsequenz dieser Reflexion nicht zustimmen. Unserer Überzeugung nach liegt Veränderung und Erneuerung nicht im Rückzug und in der protesthaften Gleichgültigkeit, sondern einzig und allein im Erkennen der realen Situationen und dem aktiven, zukunftsweisenden Handeln daraus. Entwicklung und Zukunft liegt im persönlich aktiven Engagement und nicht – wie der ÖH-Vorsitz den Studierenden im Wortlaut ans Herz legt – in einem Angriff auf die „personelle und finanzielle Basis der katholischen Kirche“. Desweiteren möchten wir der Österreichischen Hochschülerschaft als politische Institution zu Bedenken geben, dass sie sich in dieser Thematik in die jeweils eigene Glaubensentscheidung und –überzeugung der österreichischen Studierenden manipulativ einzuschalten versucht. Dies ist ein Vorgehen das auf der anderen Seite immer wieder der katholischen Kirche zum Vorwurf gemacht wird, wenn sich diese zu tagespolitischen Themen äußert. Wir als StV/FV-Theologie finden es schade, dass sich die Bundes-ÖH nicht gewahr ist, zu welchen Themenkomplexen sie Stellung beziehen sollte und zu welchen nicht. Durch die Stellungnahme in diesem ganz konkreten Fall begeht sie denselben Fehler, den sie an der Kirche lautstark kritisiert! In diesem Zusammenhang sind die im Beitrag angeführten Äußerungen zu innerkirchlichen oder historischen Gegebenheiten – welche wir als zu plakativ, klischeehaft und als zu wenig wissenschaftlich differenziert und fundiert dargestellt betrachten – besser nachzuvollziehen. Bei aller berechtigten, nötigen und möglichen Kritik an der Katholischen Kirche, erwarten wir eigentlich gerade von jungen AkademikerInnen – der kommenden Bildungselite des Landes – ehrliche Recherche der angeführten Daten und Fakten, abseits von Stammtischparolen und unkritischem Übernehmen von Informationen aus den Medien. Die Theologiestudierenden der theologischen Fakultät in Salzburg wollen sich in diesen Zeiten der Krise klar zu der Kirche bekennen, in der viele von uns durch ihr Engagement aber auch durch gelebten Glauben eine Heimat haben. Wir wünschen uns auch in gutem Miteinander in dieser Gemeinschaft die Zeichen der Zeit klarer zu erkennen, um in eine gute Zukunft zu gehen. Als zukünftige MitarbeiterInnen im kirchlichen Dienst hoffen und beten wir für die Zukunft unserer Kirche und wir stehen mit vielen engagierten Laien und Priestern an der Basis, wo wir aktiv helfen wollen, die Kirche in diesen schwierigen Zeiten mitzutragen.